Katastrophenschutz-Stabsübung Stadt Amberg, 08.12.09
Autor: Christoph Tresch, Fm
09. Dezember 2009
Dienstag 08. Dezember 2009, 08.30 Uhr: Eine Boeing 747-400, die auf dem Münchner Flughafen zu einem Interkontinentalflug gestartet war, bekommt in der Luft Probleme und muss wenden. Im Luftraum über der Stadt Amberg explodiert die Maschine und stürzt ab. Eine Tragfläche stürzt auf das LGS-Gelände in die Vils, weitere Teile, unter anderem ein Triebwerk, schlagen in das Werksgelände der Firma Siemens ein. Der Großteil des Wracks schlägt in der östlichen Altstadt ein, der Bahnhof steht in Vollbrand, weite Teile des ehemaligen Postgebäudes stürzen ein. Der Stadtgraben brennt. Man sieht massiven Rauch aus der Altstadt aufsteigen. Bei der Firma Siemens brennt eine Halle, das Gefahrgutlager ist betroffen. Große Mengen Kersoin verschmutzen die Vils.
Dieses schreckliche Szenario war glücklicherweise nur die Grundlage einer Stabsübung, die am 8. Dezember 2009 auf der Feuerwache Amberg stattfand. Am Tag zuvor gab es durch die Lehrkräfte der Staatlichen Feuerwehrschule Geretsried eine Einweisung in den Übungsablauf und eine Auffrischung in Sachen Katastropheneinsatzleitung nach FwDV 100. Am Übungstag wurde die örtliche Einsatzleitung gegen 8.40 Uhr in die Lage eingeweiht. Umgehend setzte sich ein aufwendiger Führungs- und Kommunikationsapparat in Gang.
Institutionen der Übung waren die Führungsgruppe-Katastrophenschutz der Stadt Amberg, die Örtliche Einsatzleitung mit ihrer Unterstützungsgruppe sowie die Sanitätseinsatzleitung mit Unterstützungsgruppe. Als Hilfsorganisationen waren die Feuerwehr, das Bayerische Rote Kreuz, das Technische Hilfswerk, die Landespolizei, die Bundeswehr sowie die Vertreter der psychosozialen Notfallversorgung beteiligt. Die zentrale Übungsleitung, der neben den Verantwortlichen der Feuerwehrschule Geretsried auch Führungskräfte aller Hilfsorganisationen angehörten, beeinflusste das Übungsgeschehen und spielte die verschiedenen Lagen ein. Diese galt es in der Planübung abzuarbeiten und die richtigen Kräfte effektiv einzusetzen. So waren bald Hilfskräfte aller Organisationen aus dem gesamten Bundesland sowie dem benachbarten Tschechien „in Theorie“ in Amberg gebunden. Über eigens errichtete Modelle der Feuerwehr-Einsatzzentrale Amberg, der Rettungsleitstelle Amberg sowie der Polizeieinsatzzentrale Oberpfalz konnte die Unterstützung angefordert und koordiniert werden. Die „echten“ Einsatzzentralen wurden so während der Übung nicht belastet und konnten ungestört dem Tagesgeschäft nachgehen. Auch Einsatzkräfte waren bei dieser Übung reell nicht gebunden.
Als besondere Herausforderungen waren eine starke Verschmutzung der Vils durch Flugzeugtreibstoff, ein Brand und Austritt gefährlicher Güter, ein sich schnell ausbreitender Brand in der Altstadt, eine Berücksichtigung einer eventuellen Räumung des Klinikums sowie betroffener Wohngebiete simuliert worden. Bei der Bewältigung dieser Aufgaben durften auch Nebenbereiche wie die Versorgung der Einsatzkräfte, die Organisation von Transportmöglichkeiten für die betroffene Bevölkerung sowie die Betreuung der Medien nicht zu kurz kommen.
Eine stabsmäßige Organisation der gesamten Führung sowie die Bildung mehrerer Einsatzabschnitte und Bereitstellungsräume für die anrückenden Kräfte gewährleisteten ein den Umständen entsprechend koordiniertes Arbeiten. Besonders schwierig gestaltete sich die Erfassung und Versorgung mehrere hundert Verletzter und Toten. Insgesamt waren über 3.000 Einsatzkräfte in den ersten Stunden dieser „Katastrophe“ im Stadtgebiet Amberg eingesetzt oder auf Anmarsch.
Der gesamte Übungsablauf kann als durchaus erfolgreich bezeichnet werden. Selbst als bekannt wurde, dass die verunglückte Boeing radioaktives Material geladen hatte, geriet die Lage nicht aus dem Ruder. Dies ist das Ergebnis einer guten Vorbereitung der Übung und einer gut aufgestellten Führungsorganisation, die sich hoffentlich niemals im Ernstfall beweisen muss.


