Großschadenslage nach Unwetter - 02.09.-03.09.2011
Autor: Christoph Tresch, Ofm
Nur wenige Wochen durften vergehen, bevor das Stadtgebiet Amberg erneut von Starkregenfällen heimgesucht wurde. Am späten Nachmittag des 2.September 2011 zieht von Westen her eine sich zunehmend aufbauende Unwetterfront über das Stadtgebiet. Während die Regenfälle im übrigen Stadtgebiet nur mäßig stark ausfallen, trifft es die Stadtteile Ammersricht und Raigering mit voller Wucht. Die nachfolgende Chronologie soll einen Überblick über die Ereignisse und den längsten Feuerwehreinsatz im Stadtgebiet der letzten Jahren geben.
ca. 16:00 Uhr:
Nach einem plötzlichen Wetterumschwung gehen die ersten Regenfälle über dem Stadtgebiet nieder.
16:19 Uhr:
Der erste Notruf erreicht die Feuerwehreinsatzzentrale und meldet einen vollgelaufenen Keller im Stadtteil Ammersricht/Wagrain. Der diensthabende Disponent alarmiert die kleine Schleife der Stadtteilwehr Ammersricht. In kurzer Abfolge gehen dann zahlreiche weitere Meldungen vollgelaufener Keller ein.
16:36 Uhr:
Es erfolgt Alarm für die Feuerwehr Amberg sowie die Stadtteilwehr Raigering, nachdem sich auch dort die Meldungen von unter Wasser stehenden Kellern häufen. Die Feuerwehr Ammersricht bittet derweil um Erhöhung der Alarmstufe, kurz darauf rücken die ersten Kräfte von der Wache am Schießstätteweg aus.
16:50 Uhr:
Die ersten Kräfte der Hauptwache treffen am Langangerweg in Ammersricht ein. Ihnen bietet sich eine verheerende Lage: Vom Mariahilfberg drängen durch die sogenannte Wolfsschlucht die Wassermassen und setzen den Langangerweg bis zu 80 cm unter Wasser. Fahrzeuge werden durch die Gewalt der Sturzbäche über die Fahrbahn geschoben, Kanaldeckel fortgeschwemmt, zahlreiche Anwohner flehen die anrückenden Kräfte um Hilfe an.
16:57 Uhr:
Nachrückende Kräfte bestätigen ein ähnliches Bild aus der Bayreuther Straße. Die Bundesstraße ist überflutet und muss gesperrt werden, auch hier sind zahlreiche private und gewerbliche Objekte in Gefahr.
17:03 Uhr:
Aufgrund der Lage wird die Alarmstufe nochmals erhöht. Es erfolgt Vollalarm für alle Feuerwehren der Stadt Amberg.
17:14 Uhr:
In Raigering werden erste Pumpen eingesetzt, zur Unterstützung rücken die Feuerwehren der Gemeinde Freudenberg mit an. Derweil müssen die Kräfte in Ammersricht teilweise noch tatenlos abwarten, bis die Wassermassen nachlassen. Die Menschen werden aufgefordert, die Straße aufgrund der offenen Kanäle und des mitgeführten Schwemmgutes nicht zu betreten. Priorität haben jetzt Notfälle und Personenschäden, zu denen es glücklicherweise nicht kommt. Der Verkehr wird mit Unterstützung der Polizei umgeleitet.
17:20 Uhr:
Die Unterstützungsgruppe Örtliche Einsatzleitung der Stadt Amberg wird alarmiert. Auch der THW-Ortsverband Amberg ist inzwischen mit sämtlichen verfügbaren Ressourcen am Einsatz beteiligt.
17:40 Uhr:
Am Wagrain sind die ersten Pumpen bereits im Einsatz. Am Langangerweg kommt es erst jetzt allmählich zu einem Nachlassen der Wassermassen vom Mariahilfberg her. Die Kräfte vor Ort beginnen mit der ersten Sichtung und Bestandsaufnahme der Schäden. Diese konzentrieren sich auf die nördliche Straßenseite des Langangerwegs bis zur Bayreuther Straße sowie die Hammermeisterstraße bis hin zum Wagrain.
17:55 Uhr:
Die Wassermassen drohen, in das Lager eines in der Neumühler Straße ansässigen Supermarktes einzudringen. Zur Einsatzstelle wird ein Wechselladerfahrzeug mit dem Abrollbehälter Sand beordert, in letzter Minute gelingt es den Kräften, die Räumlichkeiten mittels einer Sandsackbarriere weitestgehend vor dem eindringenden Wasser zu schützen.
18:30 Uhr:
Nach Abklingen der Regenfälle hören auch die Sturzbäche vom Mariahilfberg her auf zu fließen. Langsam können sich die ausgerückten Kräfte auf beiden Seiten des Berges, in Ammersricht und Raigering, ein Bild von der Lage machen. Die Einsätze werden durch die Unterstützungsgruppe Örtliche Einsatzleitung disponiert.
Insgesamt sind in Einsatzzentrale und Einsatzleitwagen an diesem Abend acht Mann mit der Entgegennahme von Notrufen und der Disposition der Einsatzkräfte beschäftigt. Zahlreiche Hilferufe erreichen die Rettungskräfte auch vor Ort an den Einsatzstellen, sodass die Kapazitäten von Mannschaft und Material bald ihre Grenzen erreichen und die Einsatzstellen nur nach Dringlichkeit bzw. eingegangener Meldung abgearbeitet werden können.
Einsatzschwerpunkt sind an diesem Abend vollgelaufene Keller. In einigenObjekten staut sich das Wasser bis unter die Kellerdecke, sodass mitunter einfache Tauchpumpen nicht mehr ausreichen. Tragkraftspritzen kommen zum Einsatz. Auf lokaler Ebene konzentrieren sich die Schadensstellen auf den Bereich Langangerweg, Hammermeisterstraße und Bayreuther Straße in Amberg-Ammersricht sowie verschiedene Straßen in Amberg-Raigering. Darüberhinaus werden an vier weiteren Stellen im übrigen Stadtgebiet Wasserschäden gemeldet.
In dieser Nacht sind die Einsatzkräfte bis 3:00 Uhr im Einsatz. Die Stadtteilwehr Ammersricht ist darüberhinaus auch am Samstag noch bei zahlreichen Einsatzstellen im Schadengebiet gebunden.
Zahlen und Fakten zur Großschadenslage:
Einsatzdauer (02.09. ab 16:19 Uhr): 9,5 Stunden
Gesamtzahl der Einsätze: 114
Mannschaft: 175 (128 FF AM, 23 FF Gemeindebereich Freudenberg, 25 THW)
Fahrzeuge: 33 (21 FF AM, 4 FF Gde. Freudenberg, 8 THW)
Pumpen: 37 (24 FF AM, 6 FF Gde. Freudenberg, 7 THW)
Pumpenlaufzeit: ca. 200 h
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