Kurzchronik 140 Jahre Freiwillige Feuerwehr der Stadt Amberg
Gründung
Die Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr der Stadt Amberg beginnt offiziell am 12. Juli 1865, als sich 26 Mitglieder des Turnvereines, die allesamt schon Mitglieder der bereits bestehenden Pflichtfeuerwehr waren, in Absprache mit dem Stadtmagistrat zu einem Steigerkorps zusammenfanden, das sich bereits als freiwillige Feuerwehr bezeichnete.
Diesem an sich so einfachen Verwaltungsakt waren, streng genommen sogar jahrhundertelange Bemühungen vorausgegangen, das Feuerlöschwesen in Amberg bestmöglich zu organisieren, aber erst das im 19. Jahrhundert erstarkende und selbstbewusste Bürgertum konnte diesen Schritt letztendlich vollziehen.
Der erste Kommandant unserer Feuerwehr war der Advokat Johann Jahn.
Von der Gründung bis zum Ende des ersten Weltkrieges
Vom ersten Moment an erfährt die Freiwillige Feuerwehr volle Unterstützung durch den Stadtmagistrat, so dass in den ersten Jahren darangegangen werden konnte, Pumpen, Schiebleitern, Schläuche, Zubehör aller Art sowie Uniformen zu beschaffen. Die Feuerwehr konnte natürlich auf bereits vorhandenes Material zurückgreifen.
Der Gründungskommandant Jahn musste im Jahre 1870 beruflich nach Passau abwandern, blieb aber in Amberg unvergessen, und wurde 15 Jahre später in Passau zum Ehrenmitglied der Amberger Wehr ernannt.
Nur ein Jahr waltete der nächste Kommandant, Gottlieb Lampert seines Amtes, dann wurde ein Nichtfeuerwehrmitglied, Ernst Herrmann zum Kommandanten bestimmt, der mit außergewöhnlicher Tatkraft zu Werke ging. Seiner 35 jährigen Tätigkeit als Hauptmann der Feuerwehr verdanken wir 1892 den Bau der ersten Feuerwache in der Zeughausstrasse, miteinhergehend die Bestellung des ersten Hauptamtlichen, des Feuerhausdieners Xaver Diller, bei freier Wohnung, freiem Licht, freier Heizung und 600 Mark Jahresfixum. Die erste Telefonische Feuermeldeanlage im selben Jahr, der erste Alarm über Telefon ist dokumentiert, am 25 Januar 1893 um 17:03 zu einem Brand im Unteren Apothekergässchen. Der Schaffensdrang des Ernst Herrmann war noch nicht zu Ende, Ab 1893 folgte die Einführung der ersten Sonntagswachen, die erst 1993 nach genau 100 Jahren Einsparmaßnahmen zum Opfer gefallen sind. Wachvorschriften und Theoretische Unterrichte, Hydrantenpläne und der Bau der Wasserleitung von Urspring nach Amberg, alles unter Beteiligung der rührigen Hauptmanns.
Er und sein Nachfolger Ludwig Feil, Oberkommandant von 1905-1933 wurden übrigens beide Ehrenbürger der Stadt Amberg, auch dies unterstreicht wieder die Wertschätzung, die die Freiwillige Feuerwehr Amberg, noch bis heute, genießt.
Auch in die Zeit des Ludwig Feil, fallen einige weitreichende Entscheidungen:
Bereits 1910 wendet sich die Feuerwehr in einem offenen Brief an die Bürger der Stadt, nachdem der Magistrat die Beschaffung einer Automobilspritze abgelehnt hatte.
Kdt. Feil fuhr auf eigene Kosten nach Berlin um sich zu informieren, seine Hartnäckigkeit hatte schließlich Erfolg, 1914 konnte die erste Automobilspritze in der Oberpfalz beschafft werden, der so genannte Moskauer, deswegen so genannt, weil es als Ausstellungsstück auf der Weltausstellung in Moskau gezeigt wurde. Dieses rare Stück Feuerwehrgeschichte fiel im Dritten Reich 1944 der Metallverwertung zum Opfer.
Am Vorabend des ersten Weltkrieges hatte die Wehr über 400 Mitglieder! Der erste Weltkrieg ging auch an der Wehr nicht spurlos vorüber, über 50 der aktivsten mussten einrücken, über die Zahl der Gefallenen ist uns nichts bekannt.
Die Zeit zwischen den Weltkriegen
Für die Kriegsheimkehrer wurde eine Willkommensfeier organisiert, das Kriegsbedingt ausgefallene 50 jährige Jubiläum nachgefeiert und fleißig an der Fortentwicklung der Amberger Wehr gearbeitet. Kdt. Feil wurde Kreisbrandmeister der Oberpfalz und die Ergänzung des Automobilen Fuhrparks weiter vorangetrieben.
Kaum bekannt ist die Tatsache, dass die Amberger Wehr bereits 1925 über ein Tanklöschfahrzeug verfügen konnte, das allerdings dem Städtischen Tiefbauamt als Sprengwagen für die Grünanlagen gehörte, aber bei Übungen und Einsätzen zur Verfügung stand.
1933 stirbt mit der Weimarer Republik auch Ludwig Feil, abgelöst durch Hans Kowar, der aber bereits nach 2 Jahren ebenfalls verstirbt.
1934 blickt die Deutsche Feuerwehröffentlichkeit gespannt nach Amberg, eine der ersten Ganzstahldrehleitern in Deutschland wird übergeben, erst 3 weitere Städte können auf ein solches Fahrzeug zurückgreifen. Anlass der Übergabe ist die 900 Jahrfeier der Stadt Amberg, das Fahrzeug ist Dank der Bemühungen des ehemaligen Amberger Feuerwehrmannes uns späteren Oberbranddirektors der Berufsfeuerwehr München, Karl Seegerer als einziges seiner Gattung noch erhalten und fahrbereit.
III. Reich und zweiter Weltkrieg
Dann geht die Entwicklung relativ flott voran, Oberkommandant Alafberg, strammer Parteimann und Kreisbranddirektor der Oberpfalz leitet die Geschicke der Wehr bis 1945.
Der Fuhrpark wird erweitert, aus den Automobilen werden Löschzüge, Gleichschaltung, Auflösung der Feuerwehrverbände, politische Erziehung, aber auch 1935 die Gründung der ersten Jugendfeuerwehr mit über 20 Jungens im Alter von 14-18 Jahren.
1939 der Kreisfeuerwehrappell der Oberpfalz in Amberg, mit einer Schauübung am Dultplatz, bei der ein komplettes Dorf mit Namen „Brandhausen“ aufgebaut wird, das durch einen Fliegerangriff in Flammen aufgeht und durch die Amberger Wehr vorbildlich gelöscht wird. Jahre später wird der stellvertretende Wehrleiter und Kommandant von 1945-47, Hans Schneider unter dem Eindruck der Geschehnisse im 2. Weltkrieg dies als bedrohliches Omen beschreiben.
Der 2. Weltkrieg trifft auch die Amberger Feuerwehr mit voller Härte. Ein Großteil der aktiven muss einrücken, der Brandschutz wird mit Senioren, HJ Feuerwehr, Frauenhelferinnen und Notdienstverpflichteten aufrechterhalten. Alafberg führt ein Feuerwehrbataillon in Frankreich, Hans Schneider wird sein ständiger Vertreter und lotst die Wehr durch die schwierigen Zeiten. Ferneinsätze in Regensburg und Nürnberg fordern die Amberger auch immer wieder außerhalb der Stadtmauern, am schlimmsten trifft es unsere Wehr aber am 09.04.1945, als bei einem Bombenangriff 7 Kameraden im Einsatz das Leben verlieren. Dieses Ereignisses wurde auch 2005r wieder in einer eigenen Feierstunde in Erinnerung gerufen.
Für Amberg endet der zweite Weltkrieg am 22.April 1945 mit der Befreiung durch die Amerikaner, bereits am 23 April ordnet die Militärregierung den Aufbau der „Fire Guard“ Amberg an, die zuerst in Zivil, aber bereits am 09.Mai, einen Tag nach dem offiziellen Kriegsende wieder in Uniform ihren Dienst verrichten kann.
Wiederaufbau bis zum Wachneubau 1981
Unmittelbar nach Kriegsende sieht es um die technische Ausstattung der Wehr gar nicht so schlecht aus:
Neben dem Material und den Fahrzeugen, die in Amberg verblieben sind, können einige Feuerwehrfahrzeuge, die beim Rückzug der Wehrmacht liegen geblieben sind, quasi organisiert werden und den Fuhrpark ergänzen.
Bereits 1946 hat man wieder einen Mitgliederstand von 120 Mann erreicht, fast alle Kriegsheimkehrer melden sich wieder zur Feuerwehr. Einen besonderen Zuwachs erhält man aber durch Schüler und Jugendliche, so dass bereits in einer der ersten erscheinenden Brandwachten stolz auf die Arbeit mit den jungen Leuten verwiesen werden kann, denen auf der Feuerwehr z.B. mit einer umfangreichen Bibliothek, Gesellschaftsspielen usw. vieles geboten werden kann.
Hier macht bereits ein junger Amberger von sich reden, Karl Seegerer, der seine Feuerwehrlaufbahn, wie bereits erwähnt als Oberbranddirektor der Berufsfeuerwehr der Landeshauptstadt München beschließen wird.
Ab jetzt setzt eine unglaubliche Entwicklung ein, die zu einer wahren Erfolgsgeschichte der Feuerwehr Amberg werden wird.
Hans Schneider, der ständige Vertreter des Wehrleiters, lenkt die Geschicke der Wehr durch den zweiten Weltkrieg und die unruhige Nachkriegszeit hindurch bis 1947, für ein knappes Jahr abgelöst durch Franz Platzer, und dann von 1948 bis 1961 von Robert Giehrl und von 1965-1979 Fritz Busch.
Dann geht es dann Schlag auf Schlag:
-1948 Robert Giehrl erster Sprecher der Oberpfälzer Feuerwehren,
-3 Hauptamtliche Kräfte
-Elektromeister und Ehrenbürger der Stadt Amberg, Karl Bauer erneuert die Alarmzentrale und die Weckerlinien in der Stadt Amberg
-1949 Gründung der beweglichen Feuerwehrgrundschule Niederbayern/Oberpfalz, Standort Amberg, 3 Lehrkräfte der Amberger Wehr fahren ins Nachkriegsbayern hinaus um mit einem Leihfahrzeug der FF Amberg in den Feuerwehren Grundausbildung zu halten
-Einführung des Dienstsports, hier Anknüpfend an die Tradition der ersten Steiger, die sich aus dem TV rekrutiert haben, auch ganz aktuell wieder ein großes Thema in den Feuerwehren
-Bau eines der ersten Rüstkraftwagen in Bayern, und Aufbau eines Systems der Technischen Hilfeleistung, mit dem man Bayernweit Beachtung findet
-Aufstockung des hauptamtlichen Personals
-1958 Fertigstellung des Erweiterungsbaus der Feuerwache in der Zeughausstraße, wie sie dann bis zum Wachneubau 1981 im wesentlichen Bestand hatte.
-ab 1961 wird Fritz Busch Kommandant, der als Sprecher der Oberpfalz und als langjähriger geschäftsführender Sprecher der Feuerwehren Bayerns den Namen Amberg bis weit über die Landesgrenzen hinausträgt.
-1965 das 100 jährige Jubiläum
-die konsequente Erneuerung des Fuhrparks, so dass sowohl ein Stadtlöschzug, ein Überlandlöschzug als auch ein Rüstzug zur Verfügung steht – einfach eine Vorzeigefeuerwehr in Bayern
Aber auch tragisches ist zu berichten, am 22. September 1964 kommt der Amberger Feuerwehrmann Adolf Moser bei einem Brand in der Neumühle durch den Einsturz einer Giebelmauer ums Leben.
1981 bis heute
Bereits in den frühen 70er Jahren zeichnet sich ab, dass die Feuerwache in der Zeughausstrasse den Anforderungen einer modernen Feuerwehr nicht mehr genügt. Fritz Busch als Sprecher und Hans Platzer als Kommandant können ein zukunftsweisendes Großprojekt verwirklichen, dass die Feuerwehr Amberg bis heute in die Lage versetzt, ihren Auftrag zu erfüllen. 1981 wird die Feuerwache am Schießstätteweg gebaut, auf städtischen Grund, dessen Vorgängerbebauung ironischerweise einem Großbrand zum Opfer gefallen ist.
Mit der Einweihung der neuen Wache und der Inbetriebnahme einer der ersten Rechnergestützten Einsatzleitzentralen in Deutschland wird wieder einmal der Innovationswille der Amberger Wehr eindrucksvoll demonstriert und natürlich auch die in Amberg, wie immer, hervorragende Unterstützung durch die öffentliche Hand.
Die Anforderungen an die Amberger Wehr sind in den letzten 20 Jahren explosionsartig gestiegen, die Aufgaben haben sich vervielfältigt und gerade in den letzten Jahren sucht die Feuerwehr wieder Anschluss an ihre Tradition und erweist sich als innovativ, schlagkräftig und zukunftsorientiert
Auf Hans Platzer, der die Reihe der Feuerwehrchefs der Oberpfalz die aus Amberg kommen, fortsetzt, folgt Rudolf Lehmeier als Kommandant, der dann vom jetzigen Amtsinhaber Bernhard Strobl abgelöst wird. In dieser Zeit findet auch ein deutlicher Generationswechsel statt, der uns heute einen Altersdurchschnitt von unter 30 Jahren beschert. Dieser Wechsel geht untrennbar einher mit einer ganzheitlichen Umgestaltung der Fahrzeuge, der Anpassung der Einsatzbekleidung und der corporate identity für das beginnende 3. Jahrtausend.
Neben den Anforderungen an die Einsatzkräfte - die Aktiven der Freiwilligen Feuerwehr der Stadt Amberg leisten oft an die 700 Einsätze im Jahr - ist es auch immer wieder die Organisation von Großveranstaltungen, die die Wehr fordern. Amberg ist auf der Erwachsenenschiene, aber auch auf der Schiene der Jugendfeuerwehr ein Veranstaltungsort, der für Qualität bürgt, und die Stadt Bundesweit in die Schlagzeilen bringt.
Erwähnt seien hier nur der Schlauchmarathon, das Bundesleistungsabzeichen, der Landesjugendtag, die Notarztsymposien und die RZR Symposien.
Für das Ende des 2. Jahrtausends und den Beginn des 3. sind ganz markant die konsequente Erneuerung des Fuhrparks, der sicherlich dazu beiträgt, sich mit Stolz als eine der ganz modernen Feuerwehren in Bayern bezeichnen zu dürfen.
Ausblick
Nur ein winziger Bruchteil der berichtenswerten und auch nur ein kleiner Teil der wichtigen Ereignisse –gerade auch aus den schnelllebigen letzten 2 Jahrzehnten - können hier aufgezeigt werden.


